Warum kosten Anleitungen eigentlich Geld?

Da das Thema immer wieder aufkommt und es immer wieder jemanden gibt, der nicht verstehen kann, warum man für eine digitale Anleitung Geld verlangt, möchte ich das Ganze gern mal etwas transparenter und nachvollziehbarer machen.

Ganz allgemein handelt sich auch bei digitalen Artikeln um Produkte, hinter denen Ideen und ein Produktionsprozess liegen. Oftmals scheint die Vorstellung zu kursieren, dass alles, was man nicht anfassen kann, ohne irgendeinen Aufwand entstanden ist und somit nichts kosten darf. Tatsächlich ist es aber so, dass sich schlichtweg das Medium eines Angebots geändert hat. Wo man früher Fachzeitschriften gekauft hat, nehmen diesen Platz nun oftmals eBooks und Online-Dienste ein. Die Arbeit dahinter, die Kreativleistung, die Recherche, der Satz, die Korrekturläufe usw. bleiben jedoch in weiten Teilen die gleichen.

In meinem persönlichen Fall habe ich das Anleitungsschreiben zu meinem Beruf gemacht. Das bedeutet ich erstelle meine Anleitungen direkt mit der Absicht damit Geld zu verdienen. Das ist nichts Verwerfliches, sondern der selbe Beweggrund, aus dem der Bäcker frühmorgens seine Brötchen in den Ofen schiebt und der Paketbote jeden Tag seine Runden fährt. Obendrein macht mir diese Arbeit aber auch unheimlich viel Spaß. Als gelernte Mediengestalterin habe ich mir damit erfüllt wovon viele träumen, nämlich Hobby und Beruf zu vereinen und entsprechend viel Herz und Liebe steckt in meiner Arbeit.

Wie entstehen nun meine Häkelanleitungen?

Zuerst mal habe ich eine Idee. Dazu mache ich mir Skizzen, lasse das Ganze etwas ruhen und überlege dann nochmal, ob mir es gefällt, ob es umsetzbar ist und wie. Dann setze ich mich hin und fange an zu häkeln. Oft braucht es etliche Anläufe, ehe die Form so passt, wie ich sie haben möchte. Oder ich stelle fest, dass ich etwas nicht hinbekomme und überlege, wie ich es anders machen könnte. Irgendwann entsteht ein Prototyp des Amigurumis. Dessen Entstehung halte ich handschriftlich fest, mache mir Notizen über Rundenzahlen, Maschenzahlen, über Besonderheiten, die man jemandem erklären müßte, der das Amigurumi nachhäkeln möchte.

Mit meinen Notizen und neuer Wolle setze ich mich dann an den PC und fange an, das Amigurumi erneut zu häkeln. Jede Zeile der Notizen, die ich abgearbeitet habe, übertrage ich parallel zum Häkeln in ein digitales Dokument (z.b. eine Word-Datei). Außerdem mache ich von jedem wichtigen Arbeitsschritt und auch immer wieder zwischendurch mehrere Fotos mit unterschiedlichem Licht und aus verschiedenen Perspektiven. Dazu habe ich mir eine Ecke meines Bürotisches als „Fotostudio“eingerichtet mit einer neutralen Unterlage und einer speziellen Lampe mit verschiedenen Lichttemperaturen und -stärken.

Manchmal stelle ich in dieser Phase fest, dass meine Notizen fehlerhaft sind und dann überarbeite ich alles nochmal, so dass es am Ende schlüssig ist und Sinn ergibt. Zusätzlich zu den Rundenbeschreibungen verfasse ich dann noch erklärende Texte, die möglichst für jeden Wissensstand in Sachen Häkeln verständlich sein sollen. Dann geht es an die Bildbearbeitung. Ich lade mir die Bilder auf meinen PC und lege los. Während des Schreibens habe ich mir bereits überlegt welche Bilder ich wo verwenden möchte und welche Arbeitsschritte vielleicht eine besondere bebilderte Erklärung benötigen. Entsprechend füge ich die Bilder dann ein.

Wenn die Inhalte vollständig sind, wird das Dokument mehrfach Korrektur gelesen. Sind keine Fehler mehr zu finden, geht das PDF an mehrere Personen, die nun die Anleitung selbst nachhäkeln, ebenfalls nochmal Korrektur lesen und auf Herz und Nieren prüfen. Dies dauert je nach Umfang der Anleitung ein paar Tage, manchmal sogar Wochen. Sobald alle Korrekturen und Anmerkungen bei mir eingetrudelt sind übertrage ich diese in das Dokument, korrigiere die Fehler und überarbeite ggfs. nochmal Texte und Bilder.

Dann mache ich Produktfotos, damit der Kunde schon vor dem Kauf einen Eindruck von der Anleitung erhält. Diese Bilder müssen eine gute Qualität haben und das Produkt möglichst optimal darstellen, denn sie sind das Aushängeschild für meine Anleitung. Am Ende verfasse ich noch einen Angebotstext, der das Produkt im Wesentlichen beschreibt, einen Einblick gibt für welchen Wissensstand die Anleitung geeignet ist und welche/wieviele Materialien man benötigt.

Jetzt wird es offiziell

Nun folgt der Upload auf die verschiedenen Plattformen, auf denen ich verkaufe. Diese haben unterschiedliche Preismodelle. Einige verlangen Einstellgebühren und eine Verkaufsprovision. Bei anderen kann ich die Anleitung kostenlos anbieten, erhalte jedoch nur einen Anteil des Verkaufspreises.

An dieser Stelle muss ich mir auch überlegen, wieviel eine Anleitung kosten soll. Generell gilt natürlich: umso umfangreicher, umso teurer, da mich alles natürlich mehr Arbeitszeit, Material, Strom etc. gekostet hat. Außerdem muß ich folgende Kosten abdecken: Einstellgebühren, Verkaufsprovisionen, Kosten für Warenwirtschaftssystem und Hosting der PDF-Dateien, Paypalgebühren. Bei einigen Plattformen kommt hinzu, dass ich rechtssichere, auf mich personalisierte Texte für AGB und Widerrufsrecht brauche, welche ich von einer Anwaltskanzelei beziehe, die auf eCommerce spezialisiert ist. Außerdem habe ich als Gewerbetreibender natürlich einen Steuerberater, der mir hilft mich im Steuerrechts-Irrgarten zurechtzufinden und sich quartalsmäßig um bestimmte Dinge kümmert, die man beim internationalen Handel berücksichtigen muss. Ab und an schalte ich dann noch Bannerkampagnen, z.B. in der Vorweihnachtszeit, um Werbung für meine Produkte zu machen. Auch diese kosten natürlich Geld.

Trotz dieser ganzen Faktoren möchte ich dem Kunden einen bezahlbaren, fairen Preis anbieten, für den er im Gegenzug ein ordentliches, wertiges Produkt sowie – und das ist ein ganz wichtiger Punkt – persönlichen Support bekommt, falls er Fragen oder Probleme hat. Ich orientiere mich dabei auch an den gängigen Marktpreisen für Anleitungen und versuche mich durch direkten Vergleich preislich passend einzuordnen.

Und erst jetzt, wenn all das erledigt ist, kann ich mich zurücklehnen und mich freuen, wenn jemand auf „Kaufen“ klickt. Und ich freue mich auch deswegen, weil ich weiß, dass ich ordentliche Arbeit gemacht habe und dass der Kunde für sein Geld ein gutes, fehlerfreies Produkt erhält. Ich habe selbst schon (teuere) Anleitungen gekauft und mich hinterher geärgert, dass ich für so wenig Inhalt und Information Geld ausgegeben habe. So etwas sollen meine Kunden nicht erleben müssen und ich glaube, dass ich diesem Anspruch bestmöglich gerecht werde.

 

Ich hoffe, ich habe einen Eindruck vermitteln können, dass auch hinter einem digitalen Produkt ein Haufen Arbeit, Zeit und Liebe steckt und dass nicht nur das einen Wert hat, was man anfassen kann. Ich habe nicht die Absicht zu missionieren, aber vielleicht einen Anstoß zu geben einmal darüber nachzudenken, ob das Produkt „Anleitung“ es nicht doch wert ist mit ein paar Euro (und mehr ist es ja wirklich nicht) honoriert zu werden.