Amigurumis & CE-Richtlinien

Da mich immer wieder Anfragen erreichen, ob die nach meinen Anleitungen gehäkelten Sachen verkauft werden dürfen, möchte ich hier etwas ausführlicher auf diese Frage eingehen. Grundsätzlich kannst du deine Werke (gerne mit dem Hinweis auf mich als Designer versehen) in kleiner Stückzahl z.B. auf Märkten anbieten. Jetzt kommt das ABER: Amigurumis dürfen in Deutschland nicht einfach so verkauft werden, ohne dass bei ihrer Herstellung gewisse Dinge beachtet werden müssen. Welche Dinge das genau sind und warum ich selbst wegen ihnen keine Amigurumis verkaufe, sondern nur die Anleitungen dafür schreibe, möchte ich in nachfolgendem Text erläutern.

Sicher hast du schon mal das CE-Prüfzeichen z.B. auf elektrischen Geräten gesehen. Bestimmte Artikel müssen dieses tragen, sie müssen aber natürlich dann auch bestimmten Prüf- und Richtlinien entsprechen. Dazu gehört auch die große Warengruppe des Spielzeugs, welche seit dem 20.07.2011 der EU-Richtlinie für Spielzeug entsprechen muss. Amigurumis (und generell alles, was wie Spielzeug aussieht und weich gefüllt ist) gelten per definitionem als Spielzeug: „Als Spielzeuge gelten dabei alle Erzeugnisse, die dazu gestaltet oder offensichtlich bestimmt sind, von Kindern im Alter bis zu 14 Jahren verwendet zu werden.“ (Quelle).

Das bedeutet, dass du deine gehäkelten (gestrickten, genähten oder sonstwie hergestellten) Kuscheltiere nur dann zum Kauf anbieten darfst, wenn diese vorher den ganzen Sicherheitsrichtlinien unterzogen worden sind, die der Gesetzgeber für Spielzeug vorsieht. Dazu gehören einmal schadstoffgeprüfte Materialien mit entsprechenden Zertifikaten aber auch einige Tests (z.B. auf Reiß- und Entflammbarkeit), denen du dein Amigurumi unterziehen musst. Zu allem müssen Protokolle erstellt und aufbewahrt werden. Erst wenn du all das erfüllt hast, dann kannst du deinem Häkelteddy – zurecht mit Stolz – das CE-Logo an den Hintern nähen.

Wenn du nun denkst: „Das ist ja ein Riesenaufwand für so ein kleines Häkeltier“, dann hast du natürlich nicht Unrecht. Letztlich wurden diese Richtlinien aber nicht gemacht um uns zu ärgern, sondern um uns und insbesondere unsere Kinder vor Schäden zu schützen. Daher ist es auch ratsam vorab Informationen einzuholen, wenn man Amigurumis z.B. an ein Krankenhaus spenden möchte, da nicht CE-konforme Handarbeiten eventuell gar nicht angenommen werden dürfen.

Spätestens dann, wenn du mit Amigurumis Geld verdienen möchtest, kommst du um die CE-Geschichte leider auf keinen Fall herum, egal wie groß oder klein dein Unternehmen sein mag. Man liest zwar immer wieder in diversen Shops „Nur Deko, kein Spielzeug“, aber das hat nur dann Gültigkeit, wenn dazu eine offizielle ( = vom Gewerbeaufsichtsamt erteilte) Erlaubnis vorliegt. Wohl reichte dieser Hinweis vor einigen Jahren noch aus, mittlerweile jedoch nicht mehr. Sei daher bitte vorsichtig und übernimm nicht irgendwelche Sätze und Formulierungen aus dem Internet, ohne sicher zu wissen welchen Hintergrund und welche Gültigkeit sie haben. Denn: Unwissenheit schützt leider nicht vor möglichen Konsequenzen.

Was passiert nun, wenn man „erwischt“ wird? Erst einmal hat der Käufer das Recht den Artikel aufgrund eines Mangels an dich zurückzugeben (Quelle). Weiterhin drohen dir die Kosten einer nachträglichen Prüfung deiner Amigurumis sowie je nach Schwere des Verstoßes ein Bußgeld „gemäß § 39 Absatz 2 ProdSG Bußgelder in einer Höhe bis zu zehntausend Euro“ (Quelle). Spätestens jetzt sollte man sich überlegen, ob es das Risiko wirklich wert ist.

Vielleicht noch zu mir und wie das damals bei mir ablief:

Als ich Anfang 2016 mein Gewerbe angemeldet habe, wollte ich selbst Amigurumis verkaufen – sowohl für Kinder als auch spezielle Stücke für Liebhaber und Sammler. Zu dem Zeitpunkt hab ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich beim Verkauf von Amigurumis irgendwas beachten müsste (außer natürlich qualitativ hochwertige Materialien zu verwenden). Ich war noch ganz frisch dabei und voller Ideen und Motivation, als ich von dieser CE-Sache erfuhr. Und ich kann dir sagen, dass ich erstmal in ein verdammt tiefes Loch gefallen bin. Sollte ich alles umstellen? Baumwolle im Wert von mehreren hundert Euro ersetzen durch doppelt so teure Bio-Wolle mit Zertifikat? Protokolle und Anleitungen nach irgendwelchen Richtlinien schreiben? Und vor allem: auf meine ganzen Ideen verzichten müssen, weil kleine Kunststoffperlen an Amigurumis nun mal einfach nicht spielzeugkonform sind? Ich war kurz davor alles hinzuschmeißen, bis ich mich dazu entschieden habe es mit den Anleitungen zu versuchen. Eigentlich wollte ich sowas niemals machen, weil ich eher der praktische Umsetzer als der theoretischer Aufschreiber bin, aber nun ja… du siehst ja wo es hingeführt hat. Manchmal sind solche Hindernisse nicht das Ende eines Traums, sondern lediglich ein Richtungswechsel. 🙂


Hier noch ein paar weiterführende Links zum Thema:

Facebook-Gruppe: CE-Kennzeichen – Mein Häkeltier möchte ein Zeichen setzen
► https://www.facebook.com/groups/1662055607401799/

Wir machen Spielzeug – ein Verein und informative FAQ:
https://www.wirmachenspielzeug.de / Wir machen Spielzeug e.V.​

Spiel sicher e.V. – ein Verein für Spielzeug-Kleinhersteller:
► http://www.spiel-sicher.de/

Infos von juristischer Seite gibt es dann noch z.B. hier:
► https://www.it-recht-kanzlei.de/Thema/verkauf-spielzeug-kennzeichnung.html

Spielzeugrichtlinie der EU:
► http://www.ce-zeichen.de/klassifizierung/spielzeugrichtlinie.html