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Amigurumis und die CE-Kennzeichnung

Amigurumis und die CE-Kennzeichnung

Immer wieder erreichen mich Anfragen, ob die nach meinen Amigurumi-Anleitungen gehäkelten Werke verkauft werden dürfen. Die Antwort ist: grundsätzlich kannst du deine Arbeiten – bitte gerne mit dem Hinweis auf mich als Designer – selbstverständlich auf Märkten oder in kleiner Menge im Netz anbieten (nur bevor du damit in Serie mit dreistelligen Auflagen gehst, sollten wir uns unterhalten 😉 ) Jetzt kommt das ABER: man darf Amigurumis in Deutschland nicht einfach so verkaufen, ohne gewisse Dinge zu beachten. Warum es dabei genau geht, habe ich im folgenden Beitrag so gut wie möglich und nach bestem (Ge-)Wissen versucht zusammenzufassen. Am Ende der Seite findest du ergänzend auch noch etliche weiterführende Links.

Letztes Update: August 2019


Spielzeug und gesetzliche Vorgaben

Häkelanleitung "Schlummerdino-Familie" von Tines Häkel.Boutique

Sicher hat jeder schon mal das CE-Logo an einem Artikel gesehen. Dieses soll gewährleisten, dass dieser den Richtlinien und Vorgaben zur Produktsicherheit entspricht, die der Gesetzgeber für die jeweilige Warengruppe vorgibt. Dazu gehört auch die große Warengruppe des Spielzeugs, die wie folgt beschrieben wird:

“Als Spielzeuge gelten dabei alle Erzeugnisse, die dazu gestaltet oder offensichtlich bestimmt sind, von Kindern im Alter bis zu 14 Jahren verwendet zu werden.” (Quelle)

Es ist wohl klar, dass diese Definition gerade auf ein weich gefülltes, knuffig aussehendes Amigurumi ziemlich exakt zutrifft und es somit alle gesetzlichen Auflagen erfüllen und ein CE-Logo tragen muss, wenn es verkauft bzw. “in Umlauf gebracht” werden soll. Zu diesen Auflagen gehören u.a. die Verwendung schadstoffgeprüften Materialien mit entsprechenden Zertifikaten, diverse Tests (z.B. auf Reiß- und Entflammbarkeit) sowie die Anfertigung entsprechender Protokolle und Prüfunterlagen, die zur Einsicht aufbewahrt werden müssen.

Häkelanleitung "Kater Eddy und Freddy" von Tines Häkel.Boutique

Vielleicht denkst du jetzt, dass das ein Riesenaufwand für so ein kleines Häkeltier ist und ja, das ist es tatsächlich, vor allem für Einzelpersonen und sehr kleine Betriebe. Zudem ist das Ganze mit nicht unerheblichen Kosten (Literatur, Material, Vereinsmitgliedschaft, Prüfgeräte etc.) verbunden. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass es dabei in erster Linie um die Sicherheit des Verbrauchers geht – in diesem speziellen Fall also der Kinder – und allein dafür sollte es sich lohnen, sich mit dem Ganzen auseinanderzusetzen oder vielleicht sogar bewusst auf den Verkauf von Amigurumis zu verzichten. Es ist übrigens ganz gleich, wie groß oder klein dein Unternehmen ist, ob du für Märkte oder deinen Online-Shop häkelst – die gesetzlichen Vorgaben betreffen jeden, der Spielzeug für den Verkauf herstellt.

“Nur Deko, kein Spielzeug”

Häkelanleitung "Erdferkel Edgar" von Tines Häkel.Boutique

Nicht selten liest man in Produktbeschreibungen von Amigurumi-Angeboten Hinweise wie “Nur Deko, kein Spielzeug”. Das reicht jedoch in den allermeisten Fällen nicht aus, um sich aus der Verantwortung zu ziehen, denn der Rahmen für derartige Ausnahmen ist sehr eng gesteckt. Im Zweifelsfall gilt das Produkt immer als Spielzeug, sobald es auf ein Kind so wirken könnte (siehe Definition oben) und es ist besser, sich fachmännisch und/oder anwaltlich beraten zu lassen, anstatt Hinweise wie den vorher genannten zu übernehmen, ohne Hintergrund und Gültigkeit zu kennen.

Mögliche Konsequenzen

Was einem tatsächlich passiert, wenn man “erwischt” wird, kann ich nicht sicher sagen, aber ich persönlich vermute, dass man seinen Betrieb erstmal auf Eis legen muss, bis sichergestellt ist, dass die Herstellung der Amigurumis ordnungsgemäß abläuft. Zudem drohen nicht zuletzt wohl auch empfindliche Bußgelder. Die Frage ist, ob man dieses Risiko wirklich eingehen möchte – von der Verantwortung für das ungeprüfte Kuscheltier einmal ganz abgesehen.

Amgiurumis als Spende

Interessant ist auch noch der Fall, wenn Amigurumis gespendet werden sollen, z.B. an ein Krankenhaus. Hier sollte man sich besser vorab informieren, ob Spielzeuge ohne CE-Kennzeichnung für den jeweiligen Zweck überhaupt verwendet bzw. vom Spendenempfänger angenommen werden dürfen. Und auch wenn man selbst gründlich und gewissenhaft arbeitet, so sollte man sich einfach mal die Frage stellen, ob man wollen würde, dass ein Häkeltier aus womöglich schadstoffbelastetem Material und schlecht befestigten Kleinteilen eines unbekannten Herstellers beim eigenen Kind landet.

Häkelanleitung "Dabu der dicke Drache" von Tines Häkel.Boutique
Häkelanleitung "Mini-Häschchen" von Tines Häkel.Boutique

Häkelanleitung "Elefantendame Eluisa" von Tines Häkel.Boutique
Häkelanleitung "Löwe und Maus - fabelhafte Freunde" von Tines Häkel.Boutique

Häkelanleitung "Giraffe Gunnar" von Tines Häkel.Boutique

Quellen und weiterführende Links

Spielzeugrichtlinie der EU:
http://www.ce-zeichen.de/klassifizierung/spielzeugrichtlinie.html
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02009L0048-20171124&from=EN (PDF)

Verordnung zur Produktsicherheit:
http://www.gesetze-im-internet.de/gpsgv_2/index.html#BJNR135000011BJNE000202119

Verkauf von Spielzeug in der EU (englisch):
https://ec.europa.eu/growth/sectors/toys/placing-on-eu-market_en

Wir machen Spielzeug e.V. – ein Verein und informative FAQ:
https://www.wirmachenspielzeug.de/

Spiel sicher e.V. – ein Verein für Spielzeug-Kleinhersteller:
http://www.spiel-sicher.de/

Infos von juristischer Seite gibt es z.B. hier:
https://www.it-recht-kanzlei.de/Thema/verkauf-spielzeug-kennzeichnung.html
https://www.it-recht-kanzlei.de/Thema/ce-kennzeichen.html

Und zu guter Letzt noch eine wirklich tolle Facebook-Gruppe:
https://www.facebook.com/groups/1662055607401799/


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1 Gedanke zu „Amigurumis und die CE-Kennzeichnung

  1. Ich hatte mir auch schon überlegt, meine amigurumis zu verkaufen. Nach diversen recherchen und kostenplan, bin ich aber zu dem schluss gekommen, es lohnt sich einfach nicht. Zumindest nicht für mich, als einzelperson. Ich müsste die tierchen sehr teuer verkaufen, damit dann überhaupt noch was für mich übrig bleibt. Ich verschenke sie jetzt zu bestimmten anlässen, an freunde und familie 😀 und mein sohn freut sich auch sehr.

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